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Bildung/Schule, Sport Jugend, Trier/Wittlich
25.01.2019

So klappt es mit den Minis!

Die Mini-Meisterschaften gehören zu den größten und bekanntesten Werbeaktionen für unsere Sportart. Viele spätere Vereinsspieler haben bei den Ortsentscheiden ihre ersten Berührungen mit unserem Sport gemacht und konnten für den schnellsten Rückschlagsport begeistert werden. Einen besonders erfolgreichen Ortentscheid stellte nun der SV Irsch in der Region Trier-Wittlich auf die Beine. Über 100 Minis fanden den Weg in die Halle und schmetterten um die Wette. Ein guter Grund für uns mit Elmar Georg Konrath, dem Mann hinter der Aktion, ein Gespräch über sein "Erfolgsgeheimnis" zu führen.

Die Mini-Meisterschaften sind die größte Breitensportaktion im deutschen Tischtennissport! Im Rahmen der Ortsentscheide werden jedes Jahr viele tausend Kinder für unseren Sport begeistert. So mancher findet danach den Weg in den Verein und verschreibt sich ganz dem Spiel mit Ball und Schläger. 

Für Vereine stellen die Mini-Meisterschaft also eine ausgezeichnete Möglichkeit zur Mitgliedergewinnung im Nachwuchsbereich dar. Wer beispielhaft erfahren möchte, wie so eine Aktion gestaltet werden kann, sollte sich von Elmar Georg Konrath aus der Region Trier-Wittlich inspirieren lassen. Beim örtlichen Entscheid kamen über 100 (einhundert!) Minis an die Tische und schmetterten um die Wette. Viele von ihnen trainieren nun auch im Verein!

Für uns ein Grund mit Elmar das Gespräch zu suchen und sein Erfolgserlebnis auch mit anderen Interessierten aus dem Verband zu teilen. Mehr Informationen zu den Mini-Meisterschaften und wertvolle Tipps zur Ausrichtung eines Ortsentscheids findet man beim DTTB (https://www.tischtennis.de/minis.html).

Zur Person: Elmar Georg Konrath (52), als Spieler aktuell aktiv beim SV Irsch, zuvor beim VfL Monzel, TTSG 76 Wittlich, Polisportiva Leoniana Vicenza, TTV Speicher. Als Trainer in den genannten Vereinen, daneben lange Jahre Kadertrainer im Raum Trier. Aktuell Betreuung und Training der Jugendabteilungen vom TTV Speicher, SG BW Greimerath und SV Irsch.

TTVR: Elmar, beim SV Eintracht Irsch habt ihr im November einen Ortsentscheid der Mini-Meisterschaften mit 100 Teilnehmern durchgeführt. Das ist schon sehr beachtenswert! Wie habt ihr es denn geschafft bei so vielen Kindern Interesse für unseren Sport zu wecken?

EGK: Ich habe schon vor über 20 Jahren die Überlegung gehabt, dass man Kinder für eine Sportart begeistern kann, wenn man diese praktisch vorstellt. Daher bin ich schon damals in die Schulen gegangen um für die Mini-Meisterschaften zu werben. 

Als unser Abteilungsleiter mich gefragt hat, ob ich denn in Irsch so ein Turnier organisieren könnte, sind mir viele Überlegungen durch den Kopf gegangen, wie man so was im Schulunterricht mal ganz anders vorstellen könnte. Ein Ideengeber war die Ballsportschule Heidelberg und dann habe ich in Grenzau mit Horst Heckwolf einen Trainer kennenlernen dürfen, der mit Innovation und Ideenreichtum sogar im Kindergarten Tischtennis vorstellt. Nach der Fortbildung war mir klar, was ich wollte. Es war quasi so, als ob das schon in mir drin war, und jetzt war der Kick da.

Ich habe also alle Schulen rund um Irsch angeschrieben, und ihnen angeboten, dass ich während der normalen Schulzeiten in die Schule komme um Tischtennis vorzustellen. Wenn dann der Einwand kam, es wären keine Tische da, habe ich einfach gesagt, dass es auch ohne geht. Der Auftakt war an der Grundschule Tawern, und ein Lehrer dort war dermaßen angetan von der Aktion, dass der allen anderen Schulen einen Tipp gegeben hat zu dem Typen, der mal etwas ganz anders macht im normalen Schulsport. Im Grunde war es fast überall das gleiche: Zweifel und viele Fragen vor der ersten Stunde, aber dann ging die Post ab! Die Irscher Grundschule will das Projekt im kommenden Schuljahr wieder  haben, die Wincheringer Grundschule hat am gleichen Tag noch für den Folgetag den Unterrichtsplan umgeworfen, damit ich noch mal komme.

Das Rezept war eigentlich ganz einfach. Bei allen Übungen müssen die Kinder irgendwo ein Erfolgserlebnis haben. Sei es, dass der Ball auf einem schmalen Balken rollt ohne runterzufallen, dass man den Ball irgendwo reintrifft, durchspielt oder mit Schläger und Ball etwas trifft oder umwirft. Manchmal ist mir spontan in der Halle beim Aufbau etwas eingefallen, je nach Ausstattung der Halle. 

Natürlich habe ich auch bei jeder Vorstellung auf unser Turnier hingewiesen, hatte ausreichend Anmeldungsformulare dabei und die Lehrer haben den Eltern geschrieben, dass es sich lohne, die Kinder zu unserem Turnier zu schicken. Dass ich sowohl Schulaktion als auch mini-Meisterschaften organisiert habe, war natürlich ebenfalls vorteilhaft. So hatten Eltern und Kinder einen Ansprechpartner. Im Saargau und an der Obermosel ist meine Handynummer und meine Mailadresse sicher überall bekannt. Und die Pressearbeit hat dann das ihre noch dazu getan.

TTVR: Glaubst du denn, dass so etwas grundsätzlich überall möglich ist oder hattet ihr bei euch besondere Voraussetzungen, die den Erfolg begünstigten?

EGK: Sicher hat nicht jeder Verein einen Trainer, der so wie ich über Überstundenabbau morgens in Schulen gehen kann. Ich glaube aber, dass man, wenn man so was wirklich will, bestimmt auch mit Einsatz von ein oder zwei Urlaubstagen an zwei oder drei Schulen erfolgreich werben kann. Vielleicht kommt man dann nicht direkt auf eine dreistellige Teilnehmerzahl.

Die Sache hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich in dem Bereich auch gerne für andere Vereine beratend oder auch aktiv tätig werden will!

Das wir so einen Zuspruch bekommen würden, hatte ich mir in den kühnsten Träumen nicht auszumalen getraut, ich war regelgerecht geplättet, als ich am Samstag die 100 bei den Voranmeldungen erreicht hatte, und Sonntag kamen noch ca. 15 dazu.

TTVR: Hast du vielleicht Tipps für Vereine, die ähnliche Nachwuchsaktionen durchführen wollen?

EGK: Wichtig ist vor allem, die Kinder da anzusprechen, wo sie zusammen sind, und das ist die Schule. Nur ein Plakat da hinzuhängen, reicht einfach nicht. Die Kinder müssen wissen, was ist überhaupt Tischtennis, kann ich überhaupt einen Schläger halten, treffe ich einen Ball? Kurz und knapp gesagt, es geht nichts über Bewegungserfahrung der Kinder, und wenn die da auch Spaß haben und Erfolgserlebnisse sammeln, sind die schnell Feuer und Flamme. 

Ein verlässlicher Ansprechpartner, der in Schule, Training und Mini-Meisterschaft vor Ort ist, ist ganz wichtig. Mir ist es sogar oft passiert, besonders in Trier, dass ich während der Weihnachtszeit von Eltern auf Weihnachtsmärkten bezüglich meines Engagements in den Schulen angesprochen wurde.

TTVR: Mit den Mini-Meisterschaften sollen Kinder an Tischtennis herangeführt werden. Wie viele kommen denn mittlerweile auch ins Vereinstraining und wie schaffst du es sie dauerhaft für unsere Sportart zu begeistern?

EGK: In Greimerath haben ich zehn Kleine im Training, in Irsch ca. zwanzig. Wir machen dort oft Spiele, die sie auch in der Schule gesehen haben. Und ganz großen Spaß haben alle, wenn die größeren Jugendliche die letzten zehn Minuten des Trainings mit den Kleinen spielen. Als nächstes werde ich Bambiniteams bilden, wo wir uns mit anderen Kindern an einem Samstag treffen und dort Spiele austragen. Der Spaßfaktor soll im Vordergrund stehen, auch Schulung der Sozialkompetenz, Bewegungserfahrung, und andere Dinge. Im Sommer gibt es in Irsch den Sportwerbetag, da will ich ggf. das Tischtennissportabzeichen anbieten, und vielleicht auch ein spezielles für Kindergartenkinder.

TTVR: Du bist ja nun schon eine ganze Weile im Jugendbereich in verschiedenen Funktionen aktiv. Was begeistert dich denn selber daran mit jungen Menschen zu arbeiten? 

EGK: Ich weiß auch nicht, wieso es mir anscheinend relativ leicht fällt Kinder zu begeistern. Vielleicht ist es so, dass einem eine gewisse Gabe die Götter schenken, und der Rest ist Selbstorganisation und etwas Arbeit. Angefangen habe ich mit 18 Jahren, mein jüngerer Bruder war einer meiner ersten Spieler. Da ich im Sommer auch Kinder in Ferienfreizeiten betreut habe, war ich hinsichtlich gewisser pädagogischer Regeln relativ schnell auch in der Praxis sehr fit. Ich glaube, dass wir uns um unsere Kinder intensiv bemühen müssen, unsere Erfahrungen und unser Wissen müssen wir ihnen vermitteln und sie ermutigen daraus die eigenen Schlüsse zu ziehen. Für mich, der kein Kirchgänger ist, ist hinsichtlich der Kinder vor allem eine Szene aus der Bibel sehr wichtig. Beim Einzug nach Jerusalem hat Jesus folgendes gesagt: „Lasst die Kleinen zu mir, wehret es ihnen nicht. Denn werdet ihr nicht den Kindern gleich, so ist euer nicht das Himmelreich.“ Das war übrigens auch beim Passionsspiel in Wintrich, wo ich auch mitspielte, meine absolute Lieblingsszene. Die Aussage, dass man Kinder so nehmen sollte wie sie sind, dass man ihnen zuhören sollte und dass man sich mit ihnen beschäftigen soll, ist für mich sehr wichtig. Da ich im Bereich Jugendarbeit schon vor dem Tischtennis tätig war, hatte ich schon in sehr jungen Jahren einen sehr guten Draht zu Kindern, liegt vielleicht auch daran, dass es in unserer Familie immer viele Kinder gab, das war fast schon ein richtiger Clan. 

TTVR: Hast du noch eigentlich spezielle Ziele, die du erreichen möchtest?

EGK: Ein Naheziel ist es jetzt, die Jugendarbeit in den beiden Vereinen Irsch und Greimerath sportlich als auch organisatorisch wieder auf ein höheres Level zu bringen. Da gehören nicht nur das Training und die Spiele dazu, auch außerhalb dieser Bereiche muss wieder was passieren. Zum Beispiel Zeltlager, Wandertouren – es müssen also auch gesellschaftliche Aktivitäten, die die Gruppendynamik und den Vereinszusammenhalt stärken gemacht werden. In dem Zusammenhang verweise ich auch immer darauf, dass ich als Kadertrainer immer beim letzten Training im Jahr das obligatorische Kakaotrinken auf dem Weihnachtsmarkt mit dem Kader gemacht habe, oder das Sommerevent 2018, als wir mit Kindern und Eltern eine Kanufahrt auf der Sauer gemacht haben. Es geht mir vor allem auch darum, dass die Kinder erkennen und verstehen, dass wir sie fördern wollen, aber auch nie vergessen, dass es Kinder sind.

Ein Fernziel ist sicher, den Tischtennissport noch intensiver in die Grundschulen zu bringen. Da könnte ich mir sogar ein dauerhaftes Projekt vorstellen, bei dem ich Schulen und auch Kindergärten besuche und dort etwas mit den Kindern mache. Entgegen meiner eigentlichen Absicht habe ich mich nach dem Erfolg in Irsch doch entschlossen im Bereich Schulsport die Regionsführung zu unterstützen und hier vor allem alle Vereine zu unterstützen, die sich auch im Kinderbereich aktivieren wollen.

TTVR: Mittlerweile leitest du nicht mehr den Regionskader in Trier-Wittlich, aber kannst du uns trotzdem sagen, wie du die Situation der Jugendarbeit in der Region und im Verband einschätzt und an welchen Stellschrauben gedreht werden müsste, um sie zu verbessern?

EGK: Wir brauchen vor allem Jugendtrainer in den Vereinen. Die sollten natürlich schon eine gute fachliche Basis haben, aber vor allem auch nicht vom Verein alleine gelassen werden. Der Idealfall ist es eigentlich, wenn im Verein einer das Training macht, und ein weiterer das Organisatorische übernimmt. Ich glaube, beim SV Morscheid haben sie so eine Aufteilung, und da tut sich etwas.

Wenn die Basis, also die Vereinsarbeit stimmt, kommt das folgerichtig auch dem Leistungssport zu Gute. Je mehr Kinder da sind, desto eher finde ich Talente. Auch im Bereich des Spielbetriebs muss sich etwas ändern. Ich vertrete hier die Meinung, dass die Wochentage für Training und Schule sind, die Spieltermine am Wochenende liegen sollten, das Meisterschaftssiel muss wieder ein Highlight für die Kinder sein, auf das sich die Kinder die Woche über freuen. 

Wichtig ist auch, schon früh im Verein auch bei den Jugendlichen diejenigen zu erkennen, die vielleicht mal selbst als Trainer aktiv werden könnten. In dem Bereich glaube ich, ist vor allem der TTC Mülheim-Urmitz/Bahnhof absolut top. Ich denke da vor allem an Annika Koch, die ich als Kind so oft beim Tischtennis gesehen habe, und jetzt bei diversen Veranstaltungen als Betreuerin sehe.

Und zu guter Letzt muss das engstirnige Denken in den Vereinen aufhören. Jugendarbeit gibt es nicht umsonst, da sollte man schon finanziell investieren. Den Überflieger kann man im Verein nicht immer halten, aber es muss doch für jeden Trainer und für jeden Verein erstrebenswert sein, mal von sich behaupten zu können, einen oder eine spätere Bundesligaspieler / -spielerin im Verein gehabt zu haben. In dem Bereich bin ich als ehemaliger Kadertrainer sehr dankbar, dass ich das Privileg hatte, Anja Schuh einige Jahre zu betreuen und zu trainieren. Und wenn man das so sieht, ergibt sich der Spaß an dieser Tätigkeit von alleine.

TTVR: Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg!

EGK: Ich wünsche dem TTVR und auch dem RTTV alles Gute, vor allem jetzt, wo endlich der Zusammenschluss kommt, der schon gefühlte dreißig Jahre überfällig ist. 

 Zu dem Bericht des SV Irsch über die Mini-Meisterschaften. 


Die Kinder staunen bei einer Werbeaktion an einer Grundschule

Kein Ball in Sicht für dieses Mixed?

Gleich geht es los...

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